Die sieben Gaben des Hl.Geistes!
(Aus dem Buch "Der Heilige Geist" Papst Johannes Paul II)

Gemäß der vom heiligen Thomas zusammengefaßten Tradition werden die Gaben des Heiligen Geistes von der Schrift so genannt, wie sie in Christus entsprechend dem Text des Jesaja waren, aber sie finden sich durch die Herleitung von Christus in der christlichen Seele (vgl. S Th I-II q. 68, a.1). Die soeben angedeutete biblische Bezugnahme wurde den Grundhaltungen der menschlichen Seele, betrachtet im Licht der übernatürlichen Erhebung und derselben eingegossenen Tugenden, gegenübergestellt. So entwickelte sich die mittelalterliche Theologie der sieben Gaben: Obwohl sie keinen absoluten dogmatischen Charakter hat und folglich keine zahlenmäßige Beschränkung der Gaben oder der spezifischen Kategorien vorschreibt, inder sie verteilt werden können, war und ist sie von großem Nutzen sowohl für das Verständnis der Vielfalt der Gaben selbst in Christus und in den Heiligen als auch für den Beginn zur guten Ordnung des geistlichen Lebens.
 Der heilige Thomas (vgl. S Th I-II q. 68, aa. 4, 7) und die anderen Theologen und Katecheten haben dem Jesaja-Text selbst den Hinweis auf eine Verteilung der Gaben in bezug auf das geistliche Leben entnommen, indem sie eine Darstellung vorlegten, die hier nur zusammengefaßt werden kann:

1) Da ist vor allem die Gabe der Weisheit, durch die der Heilige Geist den Verstand erleuchtet, indem er ihm die höchsten Gründe der Offenbarung und des geistlichen Lebens erkennen läßt und in ihm eine gesunde und rechte Urteilskraft hinsichtlich des Glaubens und der christlichen Lebensweise formt: die eines geisterfüllten Menschen (pneumaticos) und nicht nur eines irdisch gesinnten (psychicos) oder sogar fleischlich gesinnten Menschen, wie der heilige Paulus sagen würde(vgl. 1 Kor 2,14-15; Röm 7,14).

2) Dann gibt es die Gabe des Verstandes als vom Heiligen Geist verliehener Scharfsinn, um das Wort Gottes in seiner Höhe und Tiefe zu erfassen.

3) Die Gabe der Wissenschaft ist die übernatürliche Fähigkeit, den Inhalt der Offenbarung und den Unterschied zwischen den Dingen und Gott durch die Kenntnis vom Universum recht zu sehen und zu bestimmen.

4) Mit der Gabe des Rates schenkt der Heilige Geist eine übernatürliche Fähigkeit, wie man sich im persönlichen Leben zu verhalten hat in den schwer erfüllbaren Aufgaben und den schwierigen Entscheidungen wie auch in der Leitung und Führung der anderen.

5) Mit der Gabe der Stärke unterstützt der Heilige Geist den Willen und macht ihn bereit, wirksam und beharrlich für die Bewältigung von Schwierigkeiten und auch äußerster Leiden, wie es vor allem beim Martyrium geschieht: im blutigen, aber auch in dem des Herzens und dem durch Krankheit, Schwäche und Gebrechlichkeit.

6) Durch die Gabe der Frömmigkeit lenkt der Heilige Geist das Herz des Menschen mit seinen Gefühlen, Zuneigungen, Gedanken und Gebeten, die die Kindschaft gegenüber dem von Christus offenbarten Vater ausdrücken, auf Gott hin. Sie lädt uns in das Geheimnis des _Gott mit uns eindringen und es aufnehmen besonders in der Verbindung mit Christus, dem fleischgewordenen Wort, in den kindlichen Beziehungen zur seligen Jungfrau Maria, in Gesellschaft der Engel und Heiligen des Himmels und in Gemeinschaft mit der Kirche.

7) Mit der Gabe der Gottesfurcht gießt der Heilige Geist in die christliche Seele den Sinn tiefer Achtung vor dem Gesetz Gottes und den Geboten, die für die christliche Lebensführung daraus folgen, indem sie sie von den Versuchungen der Knechtischen Furcht befreit und mit der von Liebe erfüllten Kindlichen Furcht bereichert.

Diese Lehre über die Gaben des Heiligen Geistes bleibt für uns eine überaus nützliche Lehre geistlichen Lebens zu unserer eigenen Ausrichtung und zur Anleitung unserer Brüder und Schwestern, für die wir erzieherische Verantwortung tragen, zu einem ununterbrochenen Dialog mit dem Heiligen Geist und einer vertrauens- und liebevollen Hingabe an seine Führung. Sie ist mit dem messianischen Text des Jesaja verbunden und immer auf ihn zurückzuführen; auf Jesus angewandt, spricht er von der Größe seiner Vollkommenheit; auf die christliche Seele angewandt, kennzeichnet er die grundlegenden Momente der Dynamik Ihres inneren Lebens: verstehen (Weisheit, Wissenschaft und Verstand), entscheiden (Rat und Stärke), ausharren und wachsen in der persönlichen Beziehung zu Gott, sowohl im Gebetsleben als auch im guten Verhalten, entsprechend dem Evangelium (Frömmigkeit, Gottesfurcht). Deshalb ist es von grundlegender Wichtigkeit, sich mit dem Geist, dem ewigen Beistand, in Einklang zu bringen, wie er uns durch die Offenbarung im Alten und im Neuen Testament bekannt gemacht wird: als eine einzigartige, unendliche Liebe, die sich uns durch eine Vielfalt und Verschiedenheit von Erscheinungsweisen und Gaben mitteilt im Einklang mit dem allgemeinen Schöpfungsplan.